19. Dezember 2018|Adventskalender

Im Winter vor 100 Jahren entstand, mit dem Ende des Ersten Weltkriegs, die erste demokratische Republik. Und dazu gehörte: Frauen konnten endlich wählen und selbst gewählt werden. Fast 70 Jahre lang hatten Frauen dafür in Deutschland gekämpft, gegen enorme Vorurteile, Widerstände und abstruse Argumente. Die Frauen können es nicht, die Frauen wollen es eigentlich nicht, und sie haben doch Väter, Söhne, Brüder, die ihre Interessen vertreten. Besonders schön ist folgendes Zitat: „Frauen haben etwas Besseres zu wählen als einen Abgeordneten, nämlich einen Ehemann“.

Lange her und doch hochaktuell. Denn: noch in jedem deutschen Parlament waren Männer bisher in der Mehrheit. Jüngst sind die Anteile im Bundestag und in vielen Landtagen sogar zurückgegangen, und bewegen sich zum Teil unter 30 Prozent. Weit entfernt von Parität. Zugegeben: Politik, vor allem in den Parteien, macht oft keinen Spaß. Aber sie ist viel zu wichtig um sie den Männern zu überlassen (frei nach Käthe Strobel, einer der ersten Bundesministerinnen).

Ich habe mich in diesem Jahr viel mit der Geschichte des Frauenwahlrechts beschäftigt und ich kann nur sagen: Hut ab vor dem Mut und der Ausdauer dieser Frauen. Selbst in der Geschichtsschreibung wurden sie eher abgewertet statt gewürdigt, als merkwürdige Suffragetten lächerlich gemacht.

Also: wir Nachgeborenen haben auch die Verantwortung, nicht nur Erreichtes zu bewahren, sondern weitere Schritte zu gehen und uns für die Demokratie aktiv einzusetzen – als selbstbewusste Bürgerinnen!

In diesem Sinne wünsche ich Euch zunächst eine erholsame Adventszeit und dann einen umso tatkräftigeren und energiegeladenen Start in das neue Jahr!

Eure Helga Lukoschat