22. Dezember 2018|Adventskalender

WBW-X-MAS-Quiz: Wie Caro ins C-Level gelangte oder Warum Du Dich auf Vitamin B nicht verlassen solltest.

Neulich, in der Ringbahn, S-Bahnstation Berlin-Halensee, setzt sich mir eine Frau gegenüber, die ich von irgendwo her kannte. “Mensch, Caro!” Sie ist eine Netzwerk-Kollegin aus meiner Zeit beim Film. Caro arbeitete damals bei einer Produktionsfirma, technischer Bereich. Hatte gerade ihr Ingenieursstudium erfolgreich abgeschlossen. Wir liefen uns regelmäßig über den Weg: Premieren-Partys, Berlinale, Branchentreffs. Dann wechselte ich in die Kommunikationsbranche. Seither ewig nicht gesehen. Großes Hallo. Wir müssen beide bis Ostkreuz. 26 Minuten, um uns gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen. Wir sprechen praktisch sofort über unsere Arbeit.

Caro erzählt, wie sie ein paar Mal den Job wechselte, bevor sie bei ihrem jetzigen Arbeitgeber anfing. Bewusste Entscheidung? Nee, eher sowas von: dass sich so schnell nichts besseres mehr findet. Außerdem stimmte das Geld. Und jetzt? Mit 40 immer noch Projektmanagement. Ja, schon, der Job mache ihr Spaß… Aber viel zu viel Operatives – zu wenig Gestaltung. Okay, nettes Team, gute Projekte… Trotzdem: Irgendwie immer das gleiche. Das Gefühl, dass endlich mal was neues ansteht. Sieben Jahre beim selben Arbeitgeber. “Das kann doch noch nicht alles gewesen sein.” Ihren Traumjob? “So’n Zufall” und es kam Leben in Caro, ihren Traumjob, ja, den hätte sie gerade erst gefunden. “C-Level bei einem Start-up, Games-Industrie, in der Entwicklung.” “Klingt spannend”, sage ich, “wo ist der Haken?” “Die Bewerbungsfrist! Nächste Woche ist Deadline” Ich denke, wo ist das Problem? “CV bisschen ummodellieren und nix wie raus mit den Unterlagen.” “Gar nicht so einfach”, hält Caro entgegen. Dann erzählt sie mir eine ziemlich verrückte Story:

Das war bei ihrem früheren Arbeitgeber. Jahre her. Kurz vor ihrem Weggang. Alles ging so schnell, sie, total durcheinander. Da hat sie ihr Diplom auf dem Kopierer liegen gelassen. Caro versucht sich zu erinnern. Messe Nord/ICC. Ein Straßenmusiker steigt zu. Es wird laut in der S-Bahn. Caro ist sich nicht sicher. Wahrscheinlicher hatte sie das Diplom zwischen die Seiten eines “Filmecho” gelegt. Das Branchen-Magazin hat sie in einer Berlinale-Tasche im Büro-Schrank verstaut. Dachte, da schaut eh keiner rein. Bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber hat sie das Zeugnis dann völlig vergessen. Für ‘ne Bewerbung reichten doch beglaubigte Kopien völlig aus. Monate später ging sie bei ihrem früheren Arbeitgeber wieder mal vorbei, “hallo” zu sagen. Und um die Tasche zu holen. Doch die war weg. Und mit ihr das Zeugnis. Eigentlich hatte sie schon längst bei ihrer alten Uni anrufen wollen, um ein Duplikat anzufordern. Aber das ist ihr so peinlich, dass sie es immer wieder aufschiebt und schließlich vergisst. “Verdrängen” wäre wohl das bessere Wort dafür.

Bundesplatz. Und dann noch diese eine Sache mit dem Arbeitszeugnis… Das muss Caro erst noch bei einem anderen ehemaligen Arbeitgeber anfordern. Mit dem will sie aber eigentlich so rein gaaar nix mehr zu tun haben. War ziemlich stressig mit dem. Außerdem…. würde er ihr jetzt, nach so vielen Jahren, überhaupt noch eins ausstellen? Klar, sie kann sich selbst eins schreiben, aber… ist Ihr Anspruch nicht schon längst erloschen? Egal. Caro schiebt den Gedanken beiseite. Hat sie in den letzten sieben Jahren jemals ein Zeugnis gebraucht? Nein. Ihren jetzigen Job bekam sie schließlich auch über ihr Netzwerk.

Zugegeben, nicht die optimalsten Voraussetzungen für die erfolgreiche Bewerbung, denke ich, aber der CV, der sei doch viel entscheidender, beruhige ich sie. Das war das Stichwort. Fast vier ganze S-Bahn-Stationen – Schöneberg, Südkreuz bis weit hinter Tempelhof, bald Hermannstraße – packt Caro ihr Talent als Epikerin aus: Wie auf Knopfdruck spult sie all die interessanten und spannenden Projekte herunter, die sie in ihrer Laufbahn schon gestemmt hat. In den schillerndsten Farben mit beschreibt sie, wie sie es gewesen sei, die die Kohlen aus dem Feuer holte, und wie erfolgreich sie die größten Herausforderungen gemeistert hatte. Wie sie Teams leitete und man an ihrem Stuhl sägte, während sie erfolgreich Förderungen akquirierte. Wie sie jedes einzelne Projekt nach vorne brachte, hochmotiviert, ach was, intrinsisch motiviert. Und warum es aus all diesen Gründen eben einfach auf der Hand liege, dass sie die beste Wahl für die vakante Stelle – ihren Traumjob – sei. “Wertbeitrag”, werfe ich ein. Und: “Kill your darlings.” Aber Caro ist nicht zu bremsen. Immer wieder kommt sie auf den gleichen Punkt zurück: Die Geschichte mit dem Diplom und warum sie sich deshalb eben dummerweise einfach nicht richtig bewerben könne. Aber letztlich, so beruhigt sie sich: “Sowas läuft doch eh immer über Vitamin B”.

Caro im Retro-Flow. Zwischen Verzückung und “Lamento”. Sie bemerkte nicht mal, wie ihr Gegenüber (also ich) in einen tranceartigen Zustand verfiel. Erst die Stimme “Nächste Station: Landsberger Allee” riss sie aus ihrem Erzählstrom. Viel fehlte nicht und wir wären komplett im Kreis gefahren. Stattdessen steigen wir aus und nehmen die nächste Bahn zurück zum Ostkreuz. Wie ich eigentlich das mit dem Lebenslauf gemeint hätte und die Sache mit dem “Wertbeitrag”, fragt mich Caro, als wir noch zusammen einen Kaffee trinken. Diesmal bin ich es, die ein bisschen monologisieren darf. Und es soll nicht unbescheiden klingen, aber: Caro hat jetzt ihren Traumjob. C-Level. Games. Und die Geschichte mit dem Zeugnis? Die ist Geschichte.

Fahren Deine Gedanken mit Dir auch manchmal im Kreis, wenn es um Bewerbungen, Zeugnisse, Lebenslaufgestaltung geht? Das muss nicht sein, denn Du bist exzellent qualifiziert. Und Du bist eine Persönlichkeit. Das weisst Du auch und hast deshalb schon einige Versuche unternommen, Dich beruflich weiterzuentwickeln. Du hast x-Bewerbungen rausgeschickt. Inhouse, extern. Einige Interviews gehabt. Inzwischen bist Du kurz davor, zu denken, es läuft doch eh alles über Vitamin B. Oder Du hast 1.001 Gründe, weshalb das alles eh vielleicht nicht klappt? Ganz bestimmt bist Du weniger verpeilt als Caro, die ihr Zeugnis auf dem Kopierer liegen lässt. Trotzdem wäre etwas mehr System gut, jemanden zu haben, der (oder die) Dir Türen öffnet und mit dem Du Deine beruflichen Ziele schneller (und vor allem nachhaltiger) erreichst. Dein CV ist der Schlüssel – und der muss passen.

Und jetzt seid Ihr dran: Welchen Denkfehler macht Caro?

Antwort A: “Sowas läuft doch eh immer über Vitamin A.”

Antwort B: “Sowas läuft doch eh immer über Vitamin B.

Antwort C: “Sowas läuft doch eh immer über Vitamin C.

Natürlich wisst Ihr die richtige Antwort. 😉 Schreibt sie schnell an: cdw@womensboardway.de Betreff: WBW-X-MAS Quiz

Unter den ersten 10 richtigen Antworten verlosen wir 3 x das ultimative UP!-Ins-Board-Intensiv-Training mit unserem Board-Experten, Eckart Reinke (Vorstand Deutsches Institut der Aufsichtsräte). Und, nein, es wird nicht darum gehen, Euren CV zu optimieren, sondern darum, na klar, ihn passend zu gestalten. (Stichwort: “Kill your darlings”)

P.S.: Übrigens, neben dem Denkfehler von Caro gibt es in unserer Geschichte noch etwas, das nicht so ganz stimmen kann. Zugegeben, etwas knifflig. Kleiner Tipp für die Nicht-Berlinerinnen unter Euch: “Ringbahn”. Wenn Ihr wisst, was es ist, schreibt es uns. Diejenige, die uns als erste die richtige Antwort mailt, gewinnt ein persönliches WBW-Board-Potenzial-Gespräch.

Wir – mein Mitgründer Alexander Mark und ich – freuen uns auf Eure E-Post. Und wir wünschen Euch allen ein fröhliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in viele neue inspirierende (Tech-)Projekte im neuen Jahr!

Eure

Clarissa-Diana Wilke

 

P.P.S.: www.womensboardway.de