6. Juli 2016|Öffentliche News

Die Schweiz ist für ihre Pünktlichkeit bekannt: Insbesondere im Bahnverkehr, allerdings auch in der Umsetzung ihrer Großprojekte. Der 57 km lange Gotthard-Basistunnel konnte so pünktlich am 1. Juni 2016 in die Hände des Betreibers der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) übergehen.
Dieser Tunnel ist jedoch nicht nur ein Musterbeispiel in pünktlicher Projektabwicklung, sondern auch eine ingenieurwissenschaftliche Meisterleistung. Sehr viele Details zur Geschichte und den Hintergründen könnt ihr auf der offiziellen Homepage zur Eröffnungsfeier https://www.alptransit.ch/de/home/ finden oder über https://www.alptransit.ch/de/home/.
Seit drei Jahren darf ich mich als Teil dieses Jahrhundertbauwerkes sehen und ich bin unverkennbar sehr stolz darauf.
Als Verkehrsingenieurin (M. Sc. ETH Raumentwicklung & Infrastruktursysteme) kam ich über meinen Arbeitgeber, die Thales Rail Signalling Solutions AG, in der Funktion als Stellvertretende Leiterin der Inbetriebsetzung Sicherungsanlagen zum Projekt.
Die Thales Rail Signalling Solutions AG durfte über acht Jahre hinweg als Lieferant der Sicherungsanlagen für den Tunnel und Partner der Bahntechnikkonsortiums Transtec Gotthard den Tunnel mit der High-End Technologie der Zugsbeeinflussung ETCS Level 2 (European Train Control System) ausstatten.
ETCS berechnet die sichere Maximalgeschwindigkeit für jeden im System gemeldeten Zug. Die Signalisierung erfolgt direkt in den Führerstand über die On-Board Systeme, welche die Einhaltung der erlaubten Geschwindigkeit kontinuierlich kontrollieren. Das im Gotthard-Basistunnel eingesetzte ETCS Level 2 basiert auf der Kommunikation via GSM-R, über welches die Fahrerlaubnis direkt in den Führerstand übertragen wird. Vice versa sendet der Zug fortwährend Daten zu Position und Richtung an das Radio Block Centre (RBC). Eurobalisen sind die im Gleis verbauten passiven Ortungselemente.
Die Fahrwegssicherung erfolgt unverändert über das euch allen bekannte Stellwerk und die Gleisfreimeldeanlage. Das RBC gibt keine Fahrerlaubnis, bis der Fahrweg vom Stellwerk als „gesichert“ gemeldet wurde.
In meiner Funktion als Inbetriebsetzerin stand ich an der Schnittstelle zwischen Labor und Feld. Ich durfte die Umsetzung der Planung im Feld überwachen als auch die installierten Feldkomponenten im Echtsystem testen. Zahlreiche Fahrten im Führerstand, viele schlaflose Testnächte und spannende Inbetriebnahmen sorgten für einen abwechslungsreichen Berufsalltag.
Ich könnte ewig weitererzählen, aber ich bin jetzt schon über dem Soll. Darum darf sich die RG Zürich am 20. Juli 2016 über eine exklusive Führung ins Gotthardlabor bei der Thales Rail Signalling Solutions AG freuen und danach selber die Weichen im Eisenbahnlabor der ETH Zürich stellen.
Wer mehr von „Hinter den Kulissen“ wissen möchte, darf sich gern per Mail bei mir melden.

Verena
(RG Leitung Zürich)

Bild

Bild aus einem der 175 Querschläge, die Ost- und Weströhre miteinander verbinden. Hier bin ich zu sehen, bei einer Abnahmekontrolle mit dem Kunden.